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Spanien: Tapas

oder die Kunst im Stehen zu essen


25.10.2004

Wer in Andalusien Urlaub macht, probiert mit Sicherheit einmal Tapas – kleine Tellerchen mit Köstlichkeiten – die ausgezeichnet zu einem Glas trockenen Sherry schmecken.

Das Wort tapas bedeutet übersetzt so viel wie „Deckel“. Angeblich wurde früher jedes bestellte Glas Sherry mit einem kleinen Tellerchen abgedeckt, um zu verhindern, dass Fliegen oder Dreck hineinfielen. Die Bedienung in den so genannten Bodegas legte oftmals belegte Brotstückchen, Käse, Schinken oder einfach nur Oliven auf diese Teller, woraus eben die tapas entstanden.

Wer heutzutage eine Tapas-Bar betritt, findet in einer Vitrine am Tresen eine große Auswahl an warmen, lauwarmen und kalten Leckerbissen. Wo sonst auf der Welt wird Essen so in Szene gesetzt? Frisches kommt hausgemacht auf den Tresen, nahezu alles wird kombiniert, der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt: Frittierte Gemüse, frische Salate, Süßspeisen, Käse bis hin zu jeglicher Art von Meeresfrüchten, je nach Region. Meist hängen über dem Tresen luftgetrocknete Schinken, die ebenfalls köstlich schmecken. In der Heimat der Tapas plaudert man beim Essen, steht und geht von einer Bar zur nächsten, genießt dabei ein vielfältiges Angebot an Sherry-Sorten oder Wein.

Die Spanier nutzen Tapas als kleine Mahlzeit zwischendurch, zum Beispiel am frühen Abend, wenn es noch zu heiß ist, eine komplette warme Mahlzeit zu sich zu nehmen. Oder auch als Vorspeise.

Wenn man als Tourist eine der zahlreichen Tapas-Bar betritt, ist man zuerst einmal erschlagen von dem dichten Gedränge, dem fröhlichen Palaver. Es riecht nach Serrano-Schinken, Manchego-Käse, Bier und Rauch. Wie soll man sich zurecht finden in diesem Durcheinander, geschweige denn eine Bestellung aufgeben? Aber irgendwann findet jeder sein Plätzchen und man wählt seine Speisen entweder nach optischen Gesichtspunkten am Tresen aus oder besitzt einen speziellen Reiseführer um die handgeschriebenen, von Bar zu Bar unterschiedlichen und von Tag zu Tag wechselnden Angebotstafeln übersetzen zu können. Es ist allerdings auch kein Problem, sich als Tourist zu „outen“, denn nahezu jeder Kellner ist gerne bereit die kulinarische Vielfalt seiner Region in einer unvergleichlichen Euphorie zu beschreiben.



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